Adventkalender – 20. Tag

„Alle in einem Halbkreis aufstellen, und dass mir keiner redet oder gähnt“, rief der Chorleiter nervös. „Wenn der Papst hereinkommt, verbeugt ihr euch. Ich gebe euch das Zeichen dafür.“

Giulia stand ganz rechts außen neben Simone. Sie hätte am liebsten seine Hand festgehalten. Aber das taten Buben nicht.

Als sich die Tür öffnete, traten zuerst zwei Soldaten der Schweizergarde ein. Sie stellten sich in ihren bunten Uniformen und mit den silbern glänzenden Hellebarden links und rechts von der Tür auf und blickten starr nach vorne. Dann trat der Papst ein. Papst Johannes XXIII schaute die Buben lächelnd an. Hinter ihm folgte der große blonde Priester. Er lächelte auch und Giulia sah, wie er Simone und sie erkannte und ihnen zuzwinkerte. „Habe ich es doch gewusst“, sagte sein Blick.

Aber es lag kein Vorwurf darin.

Giulia fühlte, wie ihre Beine vor Aufregung zitterten. Simone bemerkte es, fasste kurz ihre Hand und drückte sie fest. Das half.

Der Papst begrüßte sie freundlich, bedankte sich, dass sie den weiten Weg von Stroncone nach Rom gemacht hatten und sagte, dass er sich schon sehr auf die schöne musikalische Gestaltung der Messe freute. Der Chorleiter glühte vor Stolz.

Dann bat der Papst, dass die Buben einzeln zu ihm kommen sollten, damit er jedem ganz persönlich seinen Segen geben konnte. „Sagt mir euren Namen, damit ich weiß, welchem Heiligen ich euch besonders anvertrauen soll“, sagte er.

Der Chorleiter winkte Beppo. Er stand ganz links.

Giulia atmete erleichtert auf. Sie würde als letzte dran kommen. Wenn es dann ein Chaos gab, hatten wenigstens die anderen ihren Segen schon erhalten.

„Bitte, bitte“, murmelte sie unhörbar. „Lass alles gut werden.“

Als Giulia endlich an der Reihe war, trat sie nach vorne, beugte sich über den Ring, küsste ihn und blickte dann auf. Der Papst legte seine Hände auf ihren Kopf.

„Die Heilige Giulia ist meine Schutzpatronin“, flüsterte sie. „Ich bin ein Mädchen. Und muss Sie um etwas bitten.“

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Der Papst hielt inne, nahm seine Hände von Giulias Kopf weg, faltete sie und schwieg.

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