Adventkalender – 21. Tag

Santa Claus

Jordan war nicht größer als eine Ansammlung von verstreuten Holzhütten in der weißen Ebene. Sie klopften bei der ersten Hütte an. Ein Mann öffnete die Tür einen Spalt.
„Hallo, einen schönen Abend. Ich suche das Heim von John, seiner Frau und seinen drei entzückenden Kindern.“ sagte Bob fröhlich und stellte den schweren Sack ab.
„John? Der hat aufgegeben und ist mit seiner Familie zurück in den Osten.“, brummte der Mann.
„Das ist ein Pech, ein richtiges Pech“, murmelte Bob enttäuscht. „Du hast wohl nicht zufällig einen Bissen zu Essen und einen Schlafplatz für mich und diesen Buben?“, fragte er dann.
„Ich habe selber nicht genug für meine Familie“, meinte der Mann. „Die Ernte war schlecht und seit September haben wir fast jede Woche einen Schneesturm gehabt. Da ist der Händler erst gar nicht gekommen. Ich weiß nicht einmal, ob die Kartoffeln bis zum Frühjahr reichen. Dabei ist Morgen erst Weihnachten.“
„Da kann man nichts machen.“ sagte Bob und wandte sich zum Gehen ab.
„Johns alte Hütte steht dort drüben noch leer.“ Der Mann zeigte auf eine Hütte in einiger Entfernung.
„Vielen Dank“, antwortete Bob.
In Johns alter Hütte fanden Nick und Bob noch einen Vorrat Brennholz. Schnell hatten sie ein Feuer angezündet. Bob holte aus seinem Sack Decken und breitete sie auf dem Boden aus.
„Verhungern werden wir nicht“, meinte er, als er alle Leckerbissen, die er für John in der Stadt eingekauft hatte, heraus suchte.
Nick staunte. Vor seinen Augen sammelten sich auf der Decke Konservendosen mit Muschelsuppe und Pfirsichen, ein Schinken und eine bunte Metalldose mit Zwieback. Dazwischen lagen Unmengen an rotweißgestreiften Zuckerstangen.
Bob wärmte eine Dose Muschelsuppe.
„Du kannst dir eine Zuckerstange nehmen. Sie waren für die Mädchen bestimmt als Geschenk.“ sagte Bob.
Nick lutschte an der Stange.
„Morgen ist also Weihnachten“, sagte er nachdenklich. „Ob der Mann in der Nachbarhütte für seine Kinder wohl ein Weihnachtsgeschenk hat?“
„Sicher nicht“, antwortete Bob. „Der ist froh, wenn die Kartoffeln bis zum Frühjahr reichen. An Weihnachtsgeschenke denkt hier niemand. Das ist etwas für die Stadtkinder. Dorthin kommt Santa Claus.“
Nick musste an Bettie und die anderen Kinder am Schiff denken. Er hatte ihnen versprochen, dass Sinterclaas, oder Santa Claus wie Bob sagte, überall hinkommen konnte.
„Santa Claus vergisst auf niemanden“, murmelte er.
„Weißt du, das erzählte mir meine Großmutter auch immer“, sagte Bob. „Also wollte ich für Johns Mädchen Santa Claus sein. Aber dieser Plan ist leider schief gelaufen.“
Nick schaute auf die Zuckerstangen.
„Sag mal Bob, könnten wir nicht statt dessen diese Familie beschenken?“ fragte er.
„Nick, das ist ein stolzer Mann, der nimmt keine Almosen von uns Fremden.“ antwortete Bob ruhig.
„Aber wenn Santa Claus sie bringen würde, ganz heimlich?“ meinte Nick.
Bob dachte über den Vorschlag nach.
„Ganz heimlich?“ fragte er schließlich und musste wieder lachen.
„Ganz heimlich.“ bestätigte Nick.
Als sie sich sicher waren, dass alle schliefen, nahmen sie eine Laterne und den Sack und schlichen zur Nachbarhütte. Die Tür war nicht verriegelt. Sie kamen in die Küche. Vor dem Herd hingen die Socken der Kinder und der Eltern zum Trocknen. Aus dem nächsten Raum klang das Schnarchen des Mannes. Schnell füllten sie in jeden Kindersocken eine Zuckerstange. In die großen Socken steckten sie Konserven und Schinken.
So leise wie sie gekommen waren, schlichen sie wieder davon.
„Ho, ho, ho,“ lachte Bob. „Das war eine gute Idee! Und damit das Wunder noch größer wird, werden wir eine falsche Fährte legen.“
Nick sah zu, wie Bob mit einem Brett eine Schlittenspur von der Hütte weg durch den Schnee zog.
Dann kam er zurück, wischte sorgfältig ihre Fußspuren weg und machte mit seinen Fäusten viele kleine Abdrücke in den Schnee.
Karibuspuren“, sagte er. „Meine Spezialität.“

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