Adventkalender – 18. Tag

Sinterclaas und Schwarzer Piet

Dirk, Hans und Mariechen schauten ihren Vater und Nick an. Sie konnten doch nicht zu Bett gehen, wenn Sinterclaas persönlich vorbeikommen wollte.
„Sinterclaas kommt nur, wenn die Kinder schlafen.“ bestimmte Nick. „Er horcht zuerst am Kamin, und wenn er merkt, dass die Kinder noch wach sind, dann reitet er einfach weiter und Pietro darf nicht in den Kamin hinuntersteigen und etwas in die Schuhe legen.“
„Wir schlafen schon“, riefen sie und sprangen ins Bett.
Aber kaum lag Dirk drinnen, schlüpfte er auch wieder heraus. Mit großem Ernst nahm er eine Handvoll Stroh aus der Bettstatt und steckte sie in seinen Holzschuh.
„Das Pferd von Sinterclaas hat sicher Hunger, wenn es über die Dächer läuft und den heiligen Mann und einen schweren Sack mit Geschenken tragen muss“, meinte er.
Als sie dann endlich alle zwischen den warmen Decken lagen, flüsterte Mariechen schon halb im Schlaf: „Ich hoffe sie kommen wirklich, Sinterclaas und sein schwarzer Piet.“
Sobald die Kinder schliefen, nahm Nick das Stroh aus Dirks Schuh. Dann legte er die vier Spekulatiuskuchen in die Holzschuhe vor dem Kamin. Der Händler kramte in einer Truhe und holte zwei aus Holz geschnitzte Pferdchen und eine kleine Holzpuppe heraus.
„Eigentlich sollte ich sie verkaufen“, meinte er und steckte sie zu den Spekulatius dazu.
Nick kroch müde zu den Kindern in die Bettstatt. Er wollte wach bleiben und wenn der Händler in seiner Ecke auch schlief, heimlich die paar Münzen, die er verdient hatte, in seinen Schuh legen. Mitten in der Nacht wachte er erschrocken auf. Er hörte ein leises Trappeln, oben am Dach. Er blickte hinüber zu den Holzschuhen beim Kamin. Im fahlen Mondlicht konnte er einen fünften Schuh erkennen. Etwas Kleines lag darin. Er stand vorsichtig auf und beugte sich über seinen Holzschuh. Er fand eine kleine Figur. Es war ein Mann mit Bischofsmütze und weitem Mantel. Der Mann ritt auf einem Pferd.
„Nikolaos“, flüsterte Nick und drückte das Geschenk an sich. In der Ferne hörte er ein Pferd leise wiehern. Nick schlich zum Fenster, öffnete den Fensterladen und schaute hinaus. Er riss die Augen vor Staunen weit auf. Denn dort wo die schmale Gasse eine Kurve machte, konnte er hoch oben am Hausdach halb verdeckt von den vielen Giebeln die Silhouette eines Reiters auf einem Pferd sehen. Daneben stand ein weiterer Mann, der einen schweren Sack trug. Dieser lehnte sich über einen Kamin und horchte.
„Das gibt es nicht“ murmelte Nick, und rieb sich die Augen. Als er wieder hinschaute, war die kleine Gruppe verschwunden. Nachdenklich schloss er den Laden und ging zurück ins Bett. Er hatte sich das ganze doch nur ausgedacht, um den Kindern eine Freude zu bereiten, so wie Nikolaos es vor langer Zeit in Myra gemacht hatte. Das konnte unmöglich zur Wirklichkeit werden. Was dir nicht möglich erscheint, muss noch lange nicht unmöglich sein. Nick fielen die Zeilen am Computerbildschirm wieder ein.
„Ho, ho, ho“, murmelte er. Er drückte sein kleines Geschenk fest an sich und mit einem Lächeln schlief er wieder ein.

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