Adventkalender – 3. Dezember

Eine Bombe?

Der braune Koffer stand oben am Bahndamm neben den Schienen. Jemand musste ihn dort abgestellt haben. Hätte man ihn aus dem fahrenden Zug geworfen, wäre er bestimmt den Damm hinunter gekullert. Nein, jemand musste absichtlich vom Bahnsteig aus ein Stück die Schienen entlang gegangen sein, den Koffer abgestellt haben und dann verschwunden sein. Aber warum? Wer tat so etwas?
Wie dieser Koffer dort so einsam wartete, wirkte er unheimlich, sodass die beiden Kinder zögerten näher heranzugehen.
„Manchmal“, sagte Felix ernst, der mit den Eltern hie und da Nachrichten schaute, „Manchmal stellt ein Böser einen Koffer ab und der explodiert dann, wenn man ihn berührt.“
„Hier bei uns?“, fragte Lotti. Der einzige Böse, den sie kannte, war Müllbergers Hund, der knurrte, fletschte die Zähne und peitschte mit seinem Schwanz auf den Boden, wenn Lotti bei Müllbergers am Zaun entlang ging. Aber ein Hund konnte wohl kaum einen Koffer zum Bahnsteig bringen.
„Es ist besser wir testen es“, bestimmte Felix und blickte den Koffer finster an. „Man kann nie wissen.“

Er rutschte den Bahndamm hinunter und suchte zwischen den Bäumen nach einem langen Ast. Diesen schleppte er wieder hinauf und aus sicherer Entfernung stieß er vorsichtig ein paar Mal mit dem Ast gegen den Koffer. Der Koffer schwankte und fiel um.
Felix warf sich sofort auf den Bauch und Lotti folgte seinem Beispiel. Beide hielten den Atem an.
Als aber keine Explosion folgte, lächelte Felix und sagte: „Der Koffer ist harmlos. Vermutlich nur eine Attrappe. Die wollten uns Angst einjagen, aber es ist ihnen nicht gelungen.“
Da begriff Lotti, dass Felix wieder einmal ein Spiel daraus gemacht hatte und dass sie wieder einmal darauf hereingefallen war.
„Du mit deinen Bomben“, sagte sie verärgert. Sie marschierte resolut an ihm vorbei zum Koffer hinüber und richtete ihn wieder auf.
„Vorsicht“, rief Felix, aber Lotti beachtete ihn nicht mehr. Sie rüttelte an den Schnallen, aber der Koffer ließ sich nicht öffnen. Neben jeder Schnalle befand sich ein Zahlenschloss mit vier Reihen von Ziffern. Erst, wenn man die richtige Nummer einstellte, würden die Schnallen aufspringen.
„Ein Zahlenschloss, dachte ich es mir doch“, sagte Felix kundig.
„Gib mir mal! Das habe ich gleich.“
Lotti ging einen Schritt zur Seite und Felix beugte sich über den Koffer Er drehte an den Rädchen, mal hin mal her, immer wieder zog er an den Schnallen, aber diese rührten sich um keinen Millimeter.
„Normalerweise“, sagte Felix, „habe ich jedes Zahlenschloss in Sekunden geknackt.“ Er richtete sich auf. „Aber diese hier müssen von einem Geheimdienst stammen.“
„Jetzt hör auf mit deinem Spiel“, sagte Lotti. „Es ist doch auch so spannend genug. Wir haben einen verschlossenen Koffer beim Bahnhof gefunden. Wir wissen nicht, wer ihn dort abgestellt hat und wir wissen nicht, was drinnen ist.“

„Okay“, sagte Felix. Er hob den Koffer am Griff hoch und ließ ihn hin und her schwanken. „Schwer ist er nicht, aber leer ist er auch nicht. Und was auch immer hineingesteckt wurde, es macht keine Geräusche“, stellte er fest.
„Und was jetzt?“, fragte Lotti.

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